Alles digital in der Produktion – oder was?

28. Apr 2019

Digitalisiert der deutsche Mittelständler seine Produktion? Im Prinzip ja, aber bisher nur schleppend. In der Realität tut sich ein tiefer Graben zwischen den Fachdebatten und der Wirklichkeit auf. Das Beratungshaus Ernst & Young (EY) befragte Ende 2017 1157 mittelständische Industrieunternehmen in Deutschland, „inwieweit ihre Fertigung mithilfe digitaler Technologien“ erfolge. Lediglich fünf Prozent berichteten, dass ihre Produktion „bereits weitgehend oder vollständig digital vernetzt“ sei. Bei 20 Prozent sei sie das nur teilweise. Bei 29 Prozent seien „Teile der Produktion digital gesteuert“. Bei 23 Prozent sei die Digitalisierung geplant und bei weiteren 23 Prozent tue sich „gar nichts, auch nicht geplant“.

Digitale Technologien kommen am häufigsten in der Automatisierung von
Produktionsprozessen zum Einsatz

Die Branchen mit dem höchsten Digitalisierungsgrad in der Fertigung sind der Kraftfahrzeugbau und die Ernährungsindustrie. Hier ist bereits deutlich mehr als ein Drittel der Fertigungsprozesse teilweise oder weitgehend vernetzt. Und je größer ein Unternehmen ist, desto höher ist auch der Digitalisierungsgrad. Bei den befragten Unternehmen mit weniger als 30 Millionen Euro Umsatz arbeiten lediglich vier Prozent vollständig und weitere 16 Prozent teilweise mit vernetzter Fertigung. Und bei Unternehmen mit über 100 Millionen Euro Umsatz erfolgt die Fertigung bereits zu 33 Prozent teilweise oder vollständig vernetzt. Beeindruckend sind die Anwendungsbereiche bei den 564 Unternehmen, die teilweise oder vollständig digital vernetzt arbeiten. Hier führt mit 80 Prozent die Automatisierung der Produktionsprozesse, gefolgt von „flexibler Produktion“ (60 Prozent), 3-D-Druck (24 Prozent) und mit 18 Prozent Robotic Process Automation. Mit nur elf Prozent spielt der Einsatz von künstlicher Intelligenz noch eine Nebenrolle. Aber es zeigt sich, dass die Umsatzaussichten für Unternehmen mit vernetzten Prozessen über dem Branchendurchschnitt liegen könnten.

Betriebe mit digitaler Produktion haben höhere Umsatzerwartungen

Der „Umsatzanteil digital gefertigter Produkte soll deutlich steigen“, folgert EY aus der Befragung zur Umsatzerwartung für heute und in zwei Jahren. Bei den digital fertigenden Unternehmen beträgt der Umsatzanteil dieser Produkte heute durchschnittlich 31 Prozent und soll 2020 bei 39 Prozent liegen. Besonders hoch sind diese Erwartungen wiederum im Fahrzeugbau sowie bei großen Mittelständlern. Auch wenn die gute Konjunktur anhalten sollte, zeigt sich, dass Unternehmen mit digital vernetzter Fertigung und digital gefertigten Produkten eine höhere Umsatzerwartung verbinden, als insgesamt in der Fertigung das Wachstum geschätzt wird. Somit müssten eigentlich mittelständische Fertiger ihre Investitionen in digitale Produktionsmittel deutlich erhöhen. Insgesamt zeichnet sich aber ein verhaltenes Bild ab.

Intelligente Fertigung in der digitalen Fabrik der Zukunft

Digitalisiert der deutsche Mittelständler seine Produktion? Im Prinzip ja, aber bisher nur schleppend. In der Realität tut sich ein tiefer Graben zwischen den Fachdebatten und der Wirklichkeit auf. Das ...

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Große Unternehmen investieren vier Prozent des Umsatzes in Digitalisierung

Im Durchschnitt wollen die befragten Unternehmen künftig rund 3,4 Prozent ihres Umsatzes in digitale Technologien investieren. Beachtlich ist hier, dass der Maschinen- und Kraftfahrzeugbau eine überdurchschnittliche Investitionsbereitschaft zeigt. Auch große Mittelständler haben aktuell mit 4,1 Prozent eine überdurchschnittliche Investitionsbereitschaft für Industrie-4.0-Projekte. Der Anteil der Digitaltechnologien an den Gesamtinvestitionen liegt bei durchschnittlich elf Prozent. Auch hier zeigen der Maschinenbau und große Mittelständler eine höhere Investitionsbereitschaft. Ihre Motive scheinen nur eine Richtung zu kennen: Flexibilisierung und die Fähigkeit, künftig auf Markt- oder Nachfrageänderungen schneller reagieren zu können.

Fazit: Digitalisierung in der Fertigung nimmt Fahrt auf

Die EY-Umfrage zeigt, dass die Digitalisierung in der Produktion fortschreitet, der Status quo aber noch eher ernüchternd ist. Denn nicht einmal die Hälfte der befragten Unternehmen hat mit der Vernetzung ihrer Fertigung begonnen. Diese Unternehmen werden sich beeilen müssen, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen.

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